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EUROPATAGE IM RÜCKSPIEGEL

Ein „Leuchtturm“ für die europäische Sache

Das neue Volk-Kunstwerk im Neudrossenfelder Skulpturengarten

Seit 2005 existiert inmitten des Gemeindezentrums von Neudrossenfeld der Skulpturengarten, in dem der weit über die Grenzen Oberfrankens bekannte Bildhauer Albrecht Volk alle zwei Jahre und auf immer wieder neue Weise seine Eindrücke zu den neuen Preisträgern in Stein meißelt.

Im Jahre 2021 hat sich der Hallstädter etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Man kann mit Fug und Recht behaupten, daß nie zuvor eine Skulptur so viel mit der Fokusregion der Europatage und den Preisträgerinnen und Preisträgern zu tun hatte wie in diesem Jahr. Der Meister formte aus dem Sandstein, den er wie kaum ein anderer zu bearbeiten weiß, den Triestiner Leuchtturm nach, der auch im Werk von Paolo Rumiz (im literarischen Sinne) eine große Rolle spielt. Ein ganz besonderer Clou des jüngsten Werks: die Leuchtturm-Plattform lässt sich drehen und zeigt auf jeder der vier Seiten ein aus Metall getriebenes Profil der Europamedaillen-Preisträger Dr. Laura Krainz-Leupoldt und Paolo Rumiz sowie der beiden Freiheitsring-Laureaten Sara Hoffmann-Cumani und Claudio Cumani. Phantastisch!

Zumindest drei der Preisträgerinnen und Preisträger konnten sich Ende Mai bei einer improvisierten, Pandemie gerechten „Enthüllungszeremonie“, die von TV Oberfranken für eine 30minütige Zusammenfassung über die 11. Neudrossenfelder Europatage, die in der Woche nach den Europatagen mehrfach ausgestrahlt wird, aufgenommen wurde, ein Bild von diesem Kunstwerk machen und waren genauso begeistert wie die Vertreter von FEK e.V., Präsident Konsul Dr. Gerhard Krüger, Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. Wolfgang Otto und Bernd Rill, der Vorsitzende des EUROjournal Redaktionskollegiums, Neudrossenfelds Bürgermeister Harald Hübner, Kulmbachs Landrat Klaus Peter Söllner und IHK Hauptgeschäftsführerin Gabriele Hohenner. Im Folgenden finden Sie die Grußworte des Herrn Bürgermeisters und des Herrn Landrats.  

Einen Beitrag zur europäischen Idee leisten

„Liebe Gäste der Neudrossenfelder Europatage 2021, ich darf Sie alle ganz herzlich hier in Neudrossenfeld begrüßen. Neudrossenfeld liegt ja im Herzen Oberfrankens, im Landkreis Kulmbach, und wir dürfen seit dem Jahr 2003 als Austragungsort der Europatage dienen, die die IHK Oberfranken Bayreuth, der Landkreis Kulmbach und natürlich die Fördergesellschaft für europäische Kommunikation zusammen mit der Gemeinde ausgestalten. Wir freuen uns immer, daß wir auch als kleine Gemeinde einen Beitrag zur europäischen Einigung, zur Integration auch der neuen Beitrittsstaaten und natürlich zur europäischen Idee überhaupt beitragen können. Wir hatten im Rahmen der Europatage schon viele berühmte Leute hier, die in unserem Skulpturengarten verewigt sind. Wir freuen uns, dass wir in diesem Jahr mit der Stadt Triest und der Region Friaul Julisch Venetien eine ganz interessante und natürlich auch europäisch und internationalen Ort als Fokusregion begrüßen können und natürlich auch die entsprechenden Preisträger und Gäste dazu präsentieren können. Wir freuen uns mit Ihnen auf ein spannendes Programm der Europatage,“ so Harald Hübner, Bürgermeister von Neudrossenfeld.

„Magischer Ort des europäischen Gedankens“

Landrat Klaus Peter Söllner gab zu Protokoll: „Ich darf sie im Namen des Landkreises Kulmbach ganz herzlich willkommen heißen zu den Europatagen 2021 hier in Neudrossenfeld, beglückwünsche alle Preisträger auf das Herzlichste. Ich bin sehr dankbar, daß die Fördergesellschaft für Europäische Kommunikation, die Gemeinde Neudrossenfeld, unsere Partner der IHK, der Oberfranken Stiftung und der Stiftung Nürnberger Versicherung es wieder ermöglicht haben, diese Europatage auch in digitaler Form durchzuführen. Ich denke dieser Ort Neudrossenfeld ist ein magischer Ort des europäischen Gedankens. Wir sind stolz darauf, so viele hochkarätige Gäste über all die Jahre bei uns im Landkreis begrüßen zu können. Und wir freuen uns über die Preisträger, die auch in diesem Jahr extrem hochkarätig sind und die diese hohe Ehre zu Recht in Empfang nehmen. Europa – Es gibt keine Alternative dazu! Europa ist derzeit unter Druck. Wir haben eine schwierige weltpolitische Lage. Wir haben Fliehkräfte, die sich in Europa bemerkbar machen. Umso wichtiger ist es, den europäischen Gedanken zu pflegen, auch der jüngeren Generation zu vermitteln, wie wichtig es ist, zusammenzustehen. Europa hat über die Jahrhunderte viel erlebt, Europa ist verpflichtet, zusammenzustehen. Und wir Deutschen haben eine ganz besondere Verpflichtung, den europäischen Gedanken zu pflegen. Deshalb wollen wir die Europatage in Neudrossenfeld hegen und pflegen und ich bin sehr dankbar unserer Fördergesellschaft für Europäische Kommunikation, daß die Europatage nichts von ihrem Glanz, von ihrer Dynamik verloren haben. Und auch die Pandemie wird uns nicht stoppen, auch die Pandemie wird den europäischen Gedanken nicht wegwischen können. Wir werden die Europatage auch 2021, wenngleich eben virtuell, feiern und wir werden die Preisträger in Ehren tragen.“

 

Zu den Fotos:

Preisträgerin Sarah Hoffmann-Cumani (Bild 2) gefiel die Skulptur genauso wie Dr. Laura Krainz-Leupoldt und Bürgermeister Harald Hübner (Bild 1), die die Skulptur Pandemie gerecht enthüllten (Fotos: Thomas Weiss).

So sieht das fertige Werk aus, hinter dem sich der Bildhauer Albrecht Volk (rechts) und Preisträger Claudio Cumani, natürlich negativ getestet, vorsichtig nähern. Im Hintergrund sehen die Preisträger von 2009, Dr. Günther Beckstein und Dr. Lazar Comanescu bzw. deren Porträtbüsten, zu (Foto: Thomas Weiss).

Bürgermeister Harald Hübner und Landrat Klaus Peter Söllner bei ihren Grußworten.

Kongenialer, zu Herzen gehender Dialog zwischen Erzabt Notker Wolf und Schriftsteller Paolo Rumiz

Man bemerkte unverzüglich, als sich die beiden Persönlichkeiten auf der Zuschalte – einmal aus Oberbayern, einmal aus Rumiz` Heimat – nach längerer Zeit wieder einmal „begegneten“, daß sich da zwei in höchstem Maße bemerkenswerte Herren, aus ursprünglich durchaus unterschiedlichen Umfeldern kommend, über den Dialog zu den Benediktinern kennen und schätzen gelernt haben. „Paolo Rumiz gehört zu den großen gebildeten Menschen Italiens, was in all seinen Werken hervorsticht. Er hat mit seinen Artikeln in der italienischen Tageszeitung "La Repubblica" und seinen Büchern immer für eine Gesamtschau Europas geworben, für ein friedliches Miteinander der europäischen Völker. Europa geht heute weit über das Herrschaftsgebiet Kaiser Karls IV. hinaus, dessen Gedächtnismedaille Paolo Rumiz jetzt erhält. Aber Kaiser Karl war es gelungen, in kluger Politik die Völker von Luxemburg bis Mähren und Schlesien zu verbinden. Ihm lag auch die Bildung am Herzen, er gründete mit der Karls-Universität die erste Universität auf deutschem Boden. Nicht zuletzt erkannte Karl IV. die Bedeutung der Benediktiner und holte Mönche aus dem Benediktinerkloster auf der Insel Pasman in Kroatien nach Prag und gründete 1347 die Abtei Emauzy zur Feier der Altslawischen Liturgie für die Slawische Bevölkerung. Damit schließt sich der Kreis des „unendlichen Fadens“. Die Regel Benedikts war die geistliche Grundlegung Europas und ist von hier auch in viele Länder unseres Globus gelangt. Die Benediktiner und Benediktinerinnen sind heute nicht mehr so stark wie im Mittelalter und können die Kulturen nicht mehr prägen, wohl aber in vielen Ländern zur Bildung und geistlichen Grundlegung junger Menschen beitragen. Durch ihre Stabilitas loci sind sie den Menschen in besonderer Weise verbunden. Paolo Rumiz trägt diese Botschaft des Friedens und der Einheit unter den Völkern weiter, und das in einer Sprache, die zu Herzen geht.“

Zu Herzen ging auch die sympathische Reaktion von Paolo Rumiz, der sich tief beeindruckt zeigte und davon sprach, daß „vielmehr ich den Mann loben sollte, der mich gelobt hat.“ Dabei sei es jedoch wenig sinnvoll, die vielen Vorzüge und Fähigkeiten seines Laudators aufzuzählen, er wolle stattdessen die Bescheidenheit des Erzabtes loben und erzählte im Anschluss davon, wie der bekannte Mann ihm bei einem Treffen eine einfache Decke geliehen habe, nachdem Rumiz die in Deutschland üblichen Daunendecken zu warm waren. Paolo Rumiz brachte diese Tat mit der Martinslegende in Zusammenhang und schilderte anschließend die Situation, daß selbst in einer relativ weit nördlichen Hafenstadt des Mittelmeers wie Triest jeden Tag viele notleidende Flüchtende einträfen. „Geschlagen, ausgeraubt, gedemütigt – wenn ich sie treffe, kann ich nicht anders als ihnen ein Stück meines Mantels zu geben, das Brot zu teilen, ihnen ein offenes Ohr und meine Gastfreundschaft anzubieten.“ All das gebe die Erfahrung mit Abt Notker wider – „Güte ist ansteckend, sie macht Dich zu einem Zeugen des Wortes. Danke an alle, die im Namen des Schutzpatrons Europas meine Arbeit in Betracht gezogen haben.“ Sich den amikalen und von tiefer Demut geprägten Dialog, falls noch nicht geschehen, im Livestream, der dauerhaft auf der Youtube-Seite zu den Europatagen zur Verfügung gestellt ist, einmal anzusehen, ist wärmstens zu empfehlen.

„Wenn’s Gutes zu berichten gibt, dann waren Menschen wie Sara und Claudio Cumani daran beteiligt“

Tatsächlich gab es am 12. Juni aber auch eine Verleihung, die live und in Präsenz durchgeführt werden konnte. Das Ehepaar Sara Hoffmann-Cumani und Claudio Cumani war aus Garching ins Livestreamstudio gekommen, Laudator Emilio Galli Zugaro, einst Leiter der Unternehmenskommunikation der Allianz AG, zugeschaltet. Es sei ein vielzitiertes Bonmot der Brüsseler Korrespondenten nach einer Sitzung des Europäischen Rates, zu sagen „Wenn’s Gutes zu berichten gibt, haben die nationalen Regierungschefs es erreicht. Wenn’s Negatives wird, war’s Europa.“ Und es sei kein Wunder, daß es auf diese Weise schwer werde, zu einem europäischen „Wir“ zu kommen. „Daß dies dennoch existiert, das starke europäische „Wir“, ist Ergebnis auch vieler leidenschaftlicher Initiativen durch Bürger aus ganz Europa,“ sprach Galli Zugaro und zählte die „kaum zu glaubende Breite des Engagements“ der Preisträger Nummer vier und fünf des FEK-Freiheitsrings auf: bei Sara Hoffmann-Cumani reiche dies von der politischen Bildung, zur Unterstützung des Verbindungsbüros des Europäischen Parlamentes in München, der Georg-von-Vollmar Akademie, dem BUND Naturschutz Bayern, der Interessengemeinschaft „Lebendiges Garching“ bis zum Einsatz als Gruppenleiterin des Deutschen Alpenvereins mit stetiger Heranführung der Jugend und Zugereisten an bürgerschaftliches Engagement. Ihr Gatte Claudio Cumani habe sich als Mitgründer und Vorstand des italienisch-französisch-deutschen Vereins „Europa für Alle“, als langjähriger gewählter Vertreter der Italienerinnen und Italiener in Schwaben und Altbayern, als Mitglied des „Nationalen Integrationsplans“ der Bundesregierung und als Mitglied des bayerischen Integrationsrats eingesetzt und wirkte an dem Film „Monaco, Italia. Geschichten vom Ankommen in Deutschland“ oder als Übersetzer und Herausgeber der italienischen Ausgabe des „Späten Tagebuchs“ von Max Mannheimer ebenso wie im Integrationsbeirat Garching, dessen Vorsitzender er ist und mit dem er den Bayerischer Integrationspreis gewonnen hat. Beide Preisträger würden sich als Koordinatoren des Projekts „Meine neue Heimat – Spurensuche der bayerischen Kultur in der Natur“ verdient machen. Und das seien nur Beispiele für die vielen Stunden, die die Preisträger ehrenamtlichem Engagement widmen.

„Gute Korrespondenten aus Brüssel sollten sich trauen, zu sagen: „Wenn’s Gutes zu berichten gibt, dann waren Menschen wie Sara und Claudio daran beteiligt,“ schloss der Laudator. Man kann dies inbesondere, was auch die Neudrossenfelder Europatage angeht, nur mit einem „Wie wahr!“ kommentieren. Das bescheidene Ehepaar, der Astrophysiker und Software-Engineer bei der ESO und die Kommunikationsdesignerin und -trainerin, erwiderte im Anschluss mit einer berührenden Rückschau in die Familiengeschichte. Vor etwas mehr als 100 Jahren standen sich ihre Großväter noch als Soldaten verfeindeter Armeen und Völker gegenüber, Sie hätten sich wohl nie träumen lassen, einmal gemeinsame Urgroßenkel zu haben. „Und dennoch ist dies in Europa passiert.“ Ähnliche Geschichten erlebten sie immer wieder auch im Dialog mit Migranten und Geflüchteten. „Da öffnen sich Türen auf beiden Seiten, wir erleben mehr Geschichten, die uns verbinden, als Ängste, die uns trennen. Das ist das Europa, an das wir glauben. Ein Europa, das die Werte des Willkommens, des Zuhörens verkörpert, ein Europa der Vielfalt als Bereicherung und nicht als Drohung.“ Die von Sara Hoffmann-Cumani verlesene Entgegnung endete mit lobenden und tiefgehenden Worten für die Neudrossenfelder Europatage: „Sie geben eine Bühne, auf der Europa mit all seiner Vielseitigkeit willkommen ist: hier schlägt das Herz Europas!“

Vier neue FEK-Preisträger ausgezeichnet

Digitale Neudrossenfelder Europatage 2021

Mit einer etwa fünfeinhalbstündigen Veranstaltung, die digital und mit einer italienisch-deutschen Simultanübersetzung auf dem Youtube-Kanal der Europatage live gestreamt wurde – und umgekehrt in einem italienischen Stream – ist am 12. Juni 2021 der Höhepunkt der Neudrossenfelder Europatage über die Bühne gegangen. Wir wollen heute mit der Nachberichterstattung zu dieser von der Gemeinde Neudrossenfeld, dem Landkreis Kulmbach, der IHK Oberfranken Bayreuth und der FEK getragenen und u.a. von der Stiftung Nürnberger Versicherung und der Oberfrankenstiftung unterstützten Veranstaltung beginnen. Mit diesem Beitrag wollen wir ganz am Anfang die vier neuen Preisträger der Fördergesellschaft für Europäischen Kommunikation (FEK) e.V. vorstellen, die an diesem Samstag entweder vor Ort im Livestream-Studio, via Live-Zuschalte oder bereits bei einer Vorab-Übergabe im kleinsten Kreise ausgezeichnet wurden.

Die Neudrossenfelder Europatage 2021 haben zahllose Neuerungen gebracht. Das gilt auch und besonders für die Preisträgerinnen und Preisträger von FEK-Europamedaille Kaiser Karl IV. und FEK-Freiheitsring. Nachdem es bei der Premiere 2001 und bei den ersten in Neudrossenfeld durchgeführten Ehrungen (seinerzeit gab es noch keinen Freiheitsring) nur jeweils einen einzelnen Preisträger mit Prof. Dr. Krzysztof Miszcak, einem polnischen Diplomaten, und Dr. Jacques Santer, dem ehemaligen EU-Kommissionspräsidenten, gab, in den anderen Jahren seither zwei bis drei, waren es 2021 erstmals deren vier. Ebenfalls eine Novität: neben zwei Europamedaillen wurden auch zwei Freiheitsringe verliehen und beide Auszeichnungen waren zudem paritätisch mit einer Frau und einem Mann besetzt. Ein großer Schritt für unsere kleine Gesellschaft.

Erstmals zwei Laureatinnen unter den Preisträgerinnen und Preisträgern

Es waren in diesem Jahr nicht ehemalige Granden der europäischen Politik oder Diplomatie, die in den Mittelpunkt gestellt wurden, sondern Kulturschaffende und Vermittler dieser Kultur. Drei der vier Preisträgerinnen und Preisträger wurden zudem in der Fokusregion der diesjährigen Europatage, Triest und die sie umgebende autonome Provinz Friaul-Julisch Venetien, geboren.

Bei den FEK-Europamedaillen Kaiser Karl IV., die in diesem Jahr verliehen wurden, spielte Kultur eine besonders herausragende Rolle. Neben der Unternehmerin, aus Sicht der FEK vor allem aber Förderin von Kunst und Kultur, Dr. Laura Krainz-Leupoldt aus Weißenstadt, wurde hier der italienische Schriftsteller und Journalist Paolo Rumiz mit den Medaillen Nummer 22 und 23 ausgezeichnet. Laura Krainz-Leupoldt ist die zweite Frau nach der Literaturmäzenin und Jean Paul-Nachkommin Adele Metzner im Jahre 2013, die diesen Preis erhielt. Laudator Dr. Ingo Friedrich, der ehemalige Vizepräsident des Europäischen Parlaments und 2007 selbst mit der Europamedaille ausgezeichnet, sprach die Laudatio für die Preisträgerin, die der Präsident des Europäischen Wirtschaftssenats seit vielen Jahren kenne und schätze. „Wir alle kennen sie als herzliche, strahlende und beherzte Kämpferin für junge Menschen, für mittelständische Unternehmer, für Kunst und Lebensfreude. So wie bei ihr gewissermaßen deutsche und italienische Tugenden und Eigenschaften zu etwas Neuem und Besseren zusammengewachsen sind, so sollte auch Europa zusammenwachsen und von allen Nationen das jeweils Beste in die gemeinsame Zukunft mitnehmen. In diesem Sinne ist Dr. Laura Krainz-Leupoldt ein lebendes und sprühendes Vorbild für die Einigung Europas,“ lobte Dr. Friedrich die IHK-Vizepräsidentin.

Dr. Laura Krainz-Leupoldt: „Es gibt für mich keinen besseren Kontinent“

Nachdem FEK-Präsident Dr. Gerhard Krüger, Honorarkonsul der Republik Nordmazedonien in Nordbayern, Urkunde und Medaille im Schloßgarten von Neudrossenfeld übergeben hatte, das Schloßherr Dr. Karl Gerhard Schmidt den Veranstaltern der Europatage dankenswerterweise für Vorabaufnahmen des Senders TV Oberfranken öffnete, erwiderte die tief bewegte Preisträgerin u.a.: „Im Zeichen vielfacher gesellschaftlicher Herausforderungen müssen wir unsere kulturelle Identität erhalten und zugleich neue Wege des Miteinanders finden, denn Europa, wie Bernhard Henry Levy sagte, Europa ist kein Ort, sondern eine Idee. Europa ist eine Wertegemeinschaft. Europa ist, wie meine Geburtsstadt Triest, die Summe jüdischer und christlicher, griechischer und römischer, humanistischer und aufklärerischer, romantischer und rationalistischer Ideen. Europa, es gibt für mich keinen besseren Kontinent auf der Welt.“

Dieser Kontinent Europa hat es auch dem zweiten Preisträger der Europamedaille Kaiser Karl IV., Paolo Rumiz, angetan. Der Triestiner Schriftsteller las im Rahmen des Livestreams von den digitalen Europatagen aus seinem neuesten, kurz vor der Veröffentlichung stehenden Werk „Europa“, in dem adressiert wird, was in Rumiz` Werk immer wieder eine entscheidende Rolle spielt: etwa die Definition von Heimat, deren Verlust, sowie die Schwierigkeiten von Flucht, Ankommen und die oft so zu vermissende Mitmenschlichkeit. Bei seinem letzten erfolgreichen Werk „Der unendliche Faden“ über das Wirken der Benediktiner zum Werden des Kontinents, lernte Paolo Rumiz auch den Mann kennen, der nun am 12. Juni 2021 die Laudatio auf ihn hielt: den emeritierten Abtprimas des Benediktinerordens, Erzabt Prof. Dr. Notker Wolf aus St. Ottilien in Oberbayern.

Zu den Fotos:

Dr. Ingo Friedrich hielt die Laudatio auf die Europamedaillen-Laureatin Dr. Laura Krainz-Leupoldt (aus dem Livestream vom 12.6.2021 entnommen).

Im Neudrossenfelder Schloßgarten wurde die Entgegnung der Preisträgerin Dr. Laura Krainz-Leupoldt aufgezeichnet (aus dem Livestream vom 12.6.2021 entnommen).

Laudator Erzabt Prof. Dr. Notker Wolf OSB wurde zusammen mit Preisträger Paolo Rumiz bei den digitalen Europatagen zugeschaltet (aus dem Livestream vom 12.6.2021 entnommen).

Emilio Galli Zugaro hielt in einer Live-Zuschaltung die Laudatio auf die neuen Freiheitsring-Träger Sara Hoffmann-Cumani und Claudio Cumani (aus dem Livestream vom 12.6.2021 entnommen).

Vollständig geimpft traf Ende Mai im Vorfeld der Europatage die ärztliche Führung der FEK, Präsident Dr. Gerhard Krüger (rechts) und Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. Wolfgang Otto (links), mit den Preisträgern 2021 des FEK-Freiheitsrings, dem Ehepaar Sara Hoffmann-Cumani und Claudio Cumani zusammen (Foto:Thomas Weiss).

Liebe zu Europa künstlerisch umgesetzt

Erfolgreiche Premiere des Mal-Wettbewerbs der Neudrossenfelder Europatage

Zum ersten Mal riefen die Veranstalter der Europatage 2021 Kinder und Jugendliche von sechs bis 18 Jahren zur Teilnahme am Malwettbewerb der Neudrossenfelder Europatage auf. Trotz der Pandemie bedingten Einschränkungen, die insbesondere auf das Schulwesen in der Zeit des Wettbewerbs wirkten, haben über 150 Schülerinnen und Schüler die Veranstalter mit ihren Beiträgen erfreut. Und natürlich auch die siebenköpfige Jury.

Unsere Jury mit Cosima Barón Fernández de Cordóba vom Verbindungsbüro des Europäischen Parlaments in München, IHK Geschäftsführerin Gabriele Hohenner, Bürgermeister Harald Hübner, FEK-Präsident Konsul Dr. Gerhard Krüger, dem Focus-Europa Vorsitzenden Stephan Jöris, dem Abteilungsdirektor für das Schulwesen im Regierungsbezirk Oberfranken, Stefan Kuen, und Landrat Klaus Peter Söllner hat die schöne, aber anspruchsvolle Aufgabe übernommen, die Bilder in drei Altersgruppen zu sichten und zu bewerten – was bei künstlerischen Leistungen natürlich immer einem subjektiven Urteil unterworfen ist. Wir haben versucht, dies zu objektivieren, indem alle Jury-Mitglieder die drei besten Bilder pro Altersgruppe genannt haben, die dann mit einer Punktzahl (drei Punkte 1. Platz, zwei Punkte 2. Platz, ein Punkt 3. Platz) belegt wurden. Die Summer aller sieben Jury-Urteile wurde dann zur transparenten Ermittlung der Gewinner herangezogen und hat erfreulicherweise in allen Altersgruppen ein eindeutiges Resultat erbracht.

Schülerinnen und Schüler aus Neudrossenfeld, Kulmbach, Bayreuth und Forchheim haben sich am Ende in die Preisträgerliste einsortiert. Dazu wurde ein Sonderpreis vergeben für ein technisch hervorragend gestaltetes Bild einer Abiturientin aus Bayreuth, das jedoch im Format nicht dem vorgegebenen DINA4-3 Format entsprach. Die Bilder wurden im Rahmen einer Präsentation auch in der live im Internet übertragenen Europatage-Veranstaltung vorgestellt.

Die Preisträger werden in den nächsten Wochen über die Schulen kontaktiert und erhalten neben kleinen Geldgeschenken auch jeweils zwei Eintrittskarten für das ESO Supernova Planetarium. Klassen, die geschlossen an diesem Wettbewerb teilgenommen haben, erhalten – in passenden Sparschweinen – auch eine Aufstockung der Klassenkasse. Die Preise wurden von der Sparkasse Kulmbach-Kronach, der VR-Bank Bayreuth-Hof, dem Bayernwerk und Freunden der FEK zur Verfügung gestellt. Eine ganz besondere Aktion hat Sara Hoffmann-Cumani, Laureatin des FEK-Freiheitsrings und Ideengeberin des Wettbewerbs, initiiert, als sie Barbara von Johnson, die Illustratorin des "Pumuckl" von einer Postkarten-Aktion überzeugen konnte. Eine solche, nur für die Europatage hergestellte Postkarte, wird allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Wettbewerbs zum Geschenk gemacht werden.

Zahlreiche Mitwirkende beim EUROjournal FORUM

So viele Partnervereine und Organisationen wie nie beteiligt

Ehe wir in den kommenden Tagen in die Berichterstattung zu den Inhalten von FEK-Europakolloquium und IHK-Wirtschaftsdialog eintreten werden, wollen wir auch einen anderen Programmpunkt nicht unterschlagen, der traditionellerweise zu den Neudrossenfelder Europatagen gehört: das „EUROjournal FORUM“. Dieses wurde auch im Rahmen der digitalen Europatage – natürlich virtuell – abgehalten und stellte mit der Vorstellung von nicht weniger als 13 Vereinen und Organisationen, die in Kontakt zur FEK e.V. und den Europatagen stehen, eine neue Bestmarke auf.

Mit dabei waren in diesem Jahr (in der Reihenfolge ihres Auftretens):

  • Dr. h.c. Bernd Posselt (Paneuropa-Union Deutschland)
  • Dr. Laura Krainz-Leupoldt (Das Kleine Museum Weißenstadt)
  • Cosima Barón Fernández de Cordóba (Verbindungsbüro des Europäischen Parlaments München)
  • Dieter Brockmeyer (Diplomatic World Institute)
  • Egon Lippert (Europäische Bewegung Bayern e.V.)
  • Johann Fischer (Akademie Ostbayern – Böhmen Neunburg e.V. und Europa Kontakt Akademie EUKA)
  • Johannes Breyer (kgl. priv. FSG Weiden 1507/Fähnlein von der Weyden)
  • Stephan Jöris (Focus-Europa e.V.)
  • Ute Oeßelmann/Sabine Watzlawik (Förderkreis AktionKulturSozial e.V.)

Daneben stellte Moderator Prof. Dr. Wolfgang Otto (Leiter der EUROjournal Chefredaktion) kurz den Europaverein GPB e.V. Eschweiler, den Forschungsverbund BRoTHER und die Donau Volleys Regensburg vor, deren Vertreterinnen und Vertreter am Aufzeichnungstag verhindert waren, und gab einen kurzen Rückblick über die Arbeit des EUROjournals pro management seit den letzten Europatagen 2019. Neudrossenfelds Bürgermeister Harald Hübner sprach daneben ein kurzes Grußwort. Besonders groß war die Freude über die Teilnahme der beiden FEK-Laureaten Dr. Laura Krainz-Leupoldt und Dr. h.c. Bernd Posselt. Auch das EUROjournal FORUM ist in voller Länge ebenfalls auf dem Youtube Kanal der Europatage abrufbar.

Erhebliche Chancen, die es zu nutzen gilt

IHK-Wirtschaftsdialog brachte Triest und Oberfranken ins Gespräch

Wirtschaftspolitische Themen nehmen bei den Neudrossenfelder Europatagen von jeher einen großen Raum ein. Aufgrund der der Pandemie geschuldeten Situation wurde in diesem Jahr aus dem IHK-Wirtschaftstag nur eine Stunde, die hatte es aber in sich: sechs herausragende Vertreter der Wirtschaft aus Oberfranken und der Fokusregion Friaul Julisch-Venetien tauschten sich live über bestehende und angedachte Verbindungen aus.

Ermöglicht wurde dies u.a. durch die den gesamten Livestream der Europatage durchziehende Simultanübersetzung durch die Konferenzdolmetscherin Martina Kiderle, die insbesondere diesen Programmpunkt bereicherte. Neben der IHK Oberfranken Bayreuth und der Handels- und Handwerkskammer der autonomen Provinz Friaul Julisch Venetien mit Sitz in Triest hat sich hier in die Organisation auch die Deutsch-Italienische Handelskammer Stuttgart-München mit ihrem Geschäftsführer Dott. Alessandro Marino dankenswerterweise eingebracht. 

Gabriele Hohenner, die Hauptgeschäftsführerin der IHK Oberfranken Bayreuth, hatte bereits in ihrem Grußwort für die Europatage die Verbindungen nach Nordost-Italien angesprochen: „Ich darf Sie alle recht herzlich begrüßen zu einer ganz besonderen Veranstaltung in ganz besonderer Zeit. Erstmals finden wir uns zu einer digitalen oder hybriden Veranstaltung zusammen, um mit unseren Partnern die 11. Neudrossenfelder Europatage gemeinsam zu gestalten. Die Partner FEK, die Gemeinde Neudrossenfeld, der Landkreis Kulmbach und die IHK für Oberfranken finden zusammen, um die Vorteile eines starken Europas, das gebraucht wird, und die europäische Idee besonders hervorzuheben. Die IHK darf auch in diesem Jahr den sogenannten Wirtschaftsdialog beisteuern, der sich vor allem auf den Hafen von Triest und die logistischen Verbindungen konzentriert und die wir hiermit auch weiter ausbauen möchten. Die IHK hat nicht umsonst mehrfach mit zwei Unternehmerreisen die jetzige Partnerregion Triest Friaul Julisch-Venetien besucht, um dort Verbindungen zu knüpfen. Und unser Anliegen ist es herauszustellen, was die Vielfalt für die Wirtschaft, für die Kultur und für unsere Verbindungen nicht nur in Oberfranken, sondern in ganz Bayern, in der ganzen Welt eigentlich, bedeutet.

Wir haben eine ganz besondere Beziehung zu dieser Stadt Triest, die an Attraktivität, an historischer Vielfalt nichts vermissen lässt. Wir freuen uns deshalb sehr, daß die Neudrossenfelder Europatage diese Partnerregion gewählt haben. Die IHK für Oberfranken Bayreuth verbindet auch noch etwas ganz Besonderes mit der Stadt Triest. Triest ist die Geburtsstadt unserer allseits geschätzten Vizepräsidentin Dr. Laura Krainz-Leupoldt, die die europäische Idee nicht nur als europäische Wirtschaftssenatorin lebt und in Persona Wirtschaft, Kultur und Kreativität verkörpert. Wir freuen uns deshalb ganz besonders, daß wir hier in diesem Wirtschaftstalk uns mit der Region befassen und diese auch vorstellen. Genießen sie also die 11. Europatage in Neudrossenfeld, lassen sie sich bezaubern von der Vielfalt an Wirtschaft, an Kultur und Kreativität und freuen sie sich vor allem auf einen ganz besonderen Wirtschaftstalk.“

Dieser Wirtschaftsdialog, zu dem auch Dr. Annamaria Andretta, Präsidentin der Deutsch-Italienischen Handelskammer Stuttgart-München (ITALCAM), ein Grußwort beisteuerte, hielt dann auch, was er versprach. Im Rahmen einer virtuellen Podiumsdiskussion, moderiert von Diego d'Amelio, Redakteur der Tageszeitung 'Il Piccolo di Trieste', gingen Vertreter aus der Region Triest und aus Oberfranken der Frage nach, welche Rolle der Hafen in Triest für Franken spielt und welches Potential in ihm steckt.

Zeno d'Agostino, Präsident des Hafen Triest, Francesco Parisi, CEO des gleichnamigen Speditionsunternehmens, Antonio Paoletti, Präsident der Industrie- und Handelskammer Triest, Harald Leupold, CEO HL Consulting und ehemaliger Geschäftsführer der Hafen Nürnberg-Roth GmbH, Andreas Weinrich, Geschäftsführer der Logistik-Agentur Oberfranken, sowie Michael Möschel, Geschäftsführer der Verkehrsakademie Kulmbach und Vizepräsident der IHK für Oberfranken, blickten auf eine positive Entwicklung zurück, sahen aber auch noch viel Potential.

Einig waren sich die Vertreter aus Italien und Deutschland, daß die bereits bestehenden Verbindungen weiter ausgebaut werden sollen. Obwohl 2006 und 2018 Unternehmensfahrten der IHK für Oberfranken Bayreuth nach Triest durchgeführt wurden, ist der Freihafen Triest noch zu wenig präsent in Oberfranken. In den vergangenen Jahren hat sich der Hafen entscheidend weiterentwickelt und bietet viel Potential. Seit dem Einstieg der HHLA (Hamburger Hafen und Logistik AG) 2020 hat der Hafen einen weiteren wichtigen Impuls erhalten.

Die Investitionen der vergangenen Jahre hätten Effizienz, Schnelligkeit, Flexibilität und Konkurrenzfähigkeit erheblich erhöht. Der Hafen biete auch eine intermodale Transportkette in Richtung Südosteuropa und Türkei sowie über den Suezkanal auch darüber hinaus. „Die Zeiten, als der Hafen vor allem für Öl und Genussmittel stand, sind längst vorbei“, fasste Michael Möschel zusammen. Längst biete der Hafen Triest erhebliche Chancen für oberfränkischen Unternehmer – sie müssten nur noch genutzt werden. (Wir danken Peter Belina von der IHK Oberfranken Bayreuth für das zur Verfügungstellen von Teilen des Textes.)